In Flensburg entscheidet momentan ein alter Ritterorden über die Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen. Auch der deutsche Staat kriminalisiert Schwangerschaftsabbrüche mit dem Paragraf 218 aus dem Strafgesetzbuch und lässt sie nur unter bestimmten Umständen zu. Das Recht über den eigenen Körper zu entscheiden, liegt nicht bei den Schwangeren selbst, sondern beim Staat.
Wie in den ersten beiden Teilen der Serie schon ausgeführt, ist die Frage der Schwangerschaftsabbrüche eine Klassenfrage. Entschieden wird sie durch die besitzende Klasse. Konsequenzen hat sie aber vor allem für die arbeitende Klasse. Die Entscheidungsmacht über die Reproduktion der arbeitenden Klasse liegt somit bei den Herrschenden.
Widerspruch der Reproduktion
Als reproduktive Tätigkeiten werden im Kapitalismus die Tätigkeiten definiert, die sich nicht auf dem Markt wertschöpfend verkaufen lassen. Dazu gehören zum Beispiel der Schlaf, die Essensversorgung oder die Fortpflanzung. Die Reproduktion der arbeitenden Klasse ist unerlässlich für den Kapitalismus. Ohne eine sich selbst erhaltende Arbeiter*innenklasse, kann diese nicht ausgebeutet und von ihr profitiert werden.
„Die Erhaltung und Reproduktion der Arbeiterklasse bleibt eine notwendige Bedingung für die Reproduktion des Kapitals.“ (Karl Marx, Das Kapital, Bd. I, MEW 23, S. 597.)
Ein Teil der Reproduktion ist die Schwangerschaft und der damit verbundene Nachwuchs. Ohne einen beständigen Nachschub an Arbeitskräften, fehlt dem Kapital zukünftig das Menschenmaterial, welches ausgebeutet werden kann.
Die Schwangerschaft ist also unerlässlich für den Kapitalismus, sorgt aber auch für Kosten für das Kapital. Sie beinhalten u.a. die Arbeitsausfälle der Eltern, die Gesundheitsversorgung der Schwangeren und des Kindes. Maßnahmen, um diese Kosten niedrig zu halten, finden sich auch in Deutschland. Beispielhaft ist hierfür aktuell die geplante Kürzung beim Elterngeld zu nennen. Die Kürzung von Elterngeld sorgt für einen schnelleren Wiedereintritt der Eltern in den Arbeitsmarkt, sodass wieder früher von ihrer Arbeitskraft profitiert werden kann.
Diese Kosten sollen so niedrig wie möglich gehalten werden, ohne die Reproduktion der Arbeitskräfte zu verhindern. Eine Entscheidung gegen Nachwuchs aufgrund schlechter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen ist nicht im Interesse des Kapitals.
Der Widerspruch der Notwendigkeit und den Kosten der Reproduktion für das Kapital ist wesentlich für den Kapitalismus. Deswegen ist die Entscheidung über Schwangerschaftsabbrüche immens wichtig für die herrschende Klasse.
Eine selbstbestimmte Arbeiter*innenklasse, die über ihre eigenen Körper entscheiden darf, kann zur Gefahr für sie werden. Die Kontrolle über den eigenen Körper verlor die arbeitende Klasse mit der Entstehung des Kapitalismus schon zur Zeit der Hexenverfolgung. Diese Entwicklung wird im nächsten Teil der Serie behandelt.


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